Die Hufeisen-Theorie des Herrn Amm

Thomas Heine

Wie beruhigend, wenn Weltpolitik so einfach sein kann, liebes „Freies Wort“. Man muss nur Euren Leitartikel lesen und schon weiß man: Wenn ein Politiker der Linken und einer der AfD denselben Krieg kritisieren, dann sind sie sich offensichtlich einig. Logisch. Wenn zwei Menschen gleichzeitig sagen, dass ein Haus brennt, gehören sie schließlich auch derselben Feuerwehr an 

Dass Bodo Ramelow aus völkerrechtlichen Gründen vor einer Eskalation warnt und Torben Braga aus nationalstaatlicher Perspektive argumentiert – geschenkt. Differenzierungen würden nur die schöne Schlichtheit der Schlagzeile stören.

Besonders eindrucksvoll ist auch der historische Beistand durch Otto von Bismarck. „Eisen und Blut“ - Wenn solch ein Zitat aus dem 19. Jahrhundert fällt, erledigt sich jede geopolitische Analyse des 21. Jahrhunderts praktisch von selbst. Man fragt sich nur, warum der Autor nicht gleich noch ein paar Pickelhauben verteilt hat.

Am Ende bleibt die Botschaft: Deutschland solle weniger „lamentieren“ und mehr Machtpolitik betreiben. Man könnte allerdings auch auf die Idee kommen, dass gerade die Berufung auf internationales Recht nicht Ausdruck von Schwäche ist, sondern die Grundlage jener Ordnung, die Europa nach den Katastrophen des 20. Jahrhunderts überhaupt erst stabil gemacht hat.

Aber gut – Differenzierung ist schwierig. Da ist es doch viel einfacher, Linke und AfD in einen Topf zu werfen, ein bisschen Bismarck darüber zu streuen und das Ganze mit einem kräftigen Schuss „Realpolitik!“ abzuschmecken.

Ganz Kanzler-like der Herr Amm…