Nicht die Gerüchte sind das Problem – sondern ihre Ursache

Thomas Heine

Die entscheidende Frage ist nicht, was an Gerüchten dran ist – sondern warum es sie überhaupt gibt. Wenn man sich das Gerüchtesüppchen der letzten Jahre rund um den Tiergarten anschaut, dann fällt eine fatale Konstante auf: Intransparenz.

Fakt ist, dass es in den vergangenen Jahren mehrfach die Frage aufpoppte, ob der Tiergarten substantiell verkleinert, wenn nicht gar geschlossen gehört. So richtig offen gestellt hat diese Frage natürlich niemand. Wer will schon derjenige sein, der Affe, Erdmännchen & Co öffentlich zum Abschuss freigibt. 

Natürlich ist eine Regulierung von Tierbeständen in zoologischen Einrichtungen grundsätzlich nichts Ungewöhnliches. Tiere werden abgegeben, wenn Bestände zu groß werden oder wenn sich Haltungsstrukturen verändern. Das kann sinnvoll sein und sogar dem Tierwohl dienen. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass klar ist, wohin sich eine Einrichtung entwickeln soll.

Derzeit wirkt vieles so, als würde die Entwicklung des Tiergartens von der Hoffnung getragen, dass sich die Sache irgendwie von selbst erledigt. Wenn Exoten verschwinden, Wildbestände reduziert werden und am Ende vielleicht noch ein paar Ziegen übrig bleiben, lässt sich das natürlich immer noch als „Heimattiergarten“ verkaufen. Mit etwas Fantasie vielleicht sogar als pädagogisches Konzept – eine Mischung aus Spielplatz, Streichelgehege und Selbstbedienung für Besucher, die den Tieren künftig gleich selbst das Futter mitbringen dürfen.

Der Eindruck entsteht, dass Entscheidungen weniger aus einer inhaltlichen Vision für den Tiergarten heraus getroffen werden, sondern vor allem aus finanziellen Zwängen. Wenn eine Kommune sparen muss, ist das Realität – aber dann sollte man auch den Mut haben, das offen zu sagen und nicht so zu tun, als handele es sich ausschließlich um eine fachlich motivierte „Bestandsregulierung“.

Der eigentliche Auslöser der aktuellen Aufregung ist daher weder ein Facebook-Post noch eine angebliche „Gerüchteküche“. Der Konflikt ist hausgemacht. Wenn über Monate, ja nun schon Jahre hinweg kein nachvollziehbares Konzept vorgestellt wird und Entscheidungen erst dann öffentlich werden, wenn sie bereits umgesetzt werden, entsteht genau das Klima, in dem Gerüchte gedeihen.

Der Tiergarten ist für viele Familien in unserer Region ein wichtiger Ort. Wer ihn erhalten will, sollte deshalb weniger Zeit darauf verwenden, sich über Gerüchte zu ärgern – und mehr darauf, endlich ein transparentes und tragfähiges Zukunftskonzept vorzulegen.

Und wenn ich noch selbst ein Gerücht kommentieren darf, das mir zugetragen wurde, nämlich das im Rathaus Argumentationslinien aufgebaut werden, dass die Stadt früher oder später vor der Entscheidung stehen würde: „Kindergarten oder Tiergarten schließen?“
Das ist schlicht rhetorischer Schabernack nach dem Muster: „Wer für den Tiergarten ist, ist gegen Kinder.“ Das ist so richtig wie die Erde eine Scheibe ist.

Kindertagesstätten sind Pflichtaufgaben einer Kommune. Sie werden nicht geschlossen, weil ein Tiergarten Geld kostet, sondern wenn es an Kindern fehlt und sich die Kosten über die Finanzierung durch Land und Elternbeiträge nicht decken lassen.
Der Tiergarten hingegen ist eine freiwillige Aufgabe und kann, um Geld zu sparen, im schlimmsten Fall geschlossen werden, obwohl es nicht Kindern und Familien mangelt, die ihn besuchen – noch immer und hoffentlich noch lange.