Das kann doch nicht wahr sein...
Stelungnahme von Monika Weber zum Artikel "Ende oder Befreiung" im Freien Wort am 08.03.2005
...das war meine erste Reaktion auf den Artikel „Ende oder Befreiung“. Da findet in der Bundespolitik eine gegenseitige Schuldzuweisung statt, warum Neofaschismus um sich greift und sogar in Parlamente einziehen konnte. Und nun muss ich lesen, dass Kommunalpolitiker von SPD und CDU den 8. Mai als „Tag der Befreiung“ in Frage stellen. Am 8. Mai 1945 ging offiziell das dunkelste Kapitel deutscher Geschichte zu Ende. Meine Eltern und älteren Geschwister haben wie Hunderttausende andere 1945 ihre Heimat verloren. Aber immer sagten sie, lieber trocken Brot als noch einmal Krieg. Meine Mutter hat gern von ihrer Heimatstadt gesprochen und geschwärmt, aber ihr war bewusst, dass sie diese verlassen musste, weil der deutsche Faschismus im Größenwahn Leid und Elend über die Völker gebracht hat. Niemals sollte man diese Menschenschicksale dazu benutzen, Schuld gegeneinander aufzurechnen oder gar neues Unrecht zu begründen. Die Deutschen haben es nicht geschafft, sich selbst von dieser braunen Brut zu befreien und mussten erleben, wie der Krieg zum Ausgangspunkt zurückkehrte. Sie haben selbst erlebt, was Bombennächte bedeuten, wie sich Schützendonner anhört, wie es ist, in ständiger Angst vor dem Tod zu leben. Auch hier im beschaulichen, damals armen Thüringen. Dass daran nach 60 Jahren durch Veröffentlichungen in unserer Heimatzeitung erinnert wird ist richtig. Aber sind es auch die Schlussfolgerungen? Der 8. Mai 1945 war der Tag der Befreiung vom Hitlerfaschismus. Wenn er nur das Ende eines verlorenen Krieges wäre, dann war der Faschismus wohl nicht so schlimm sondern nur nicht in der Lage, den Krieg zu gewinnen? Man kann sich den Kopf darüber zerbrechen, warum Neonazis Zulauf haben und immer offener auftreten. Aber eigentlich wundere ich mich nicht.
Monika Weber, Neuhaus am Rennweg
